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Stein schlägt Papier

| Lena Facchinetti | Jugendbuch

Lee hat einen Traumberuf: sie möchte Polizistin werden. Doch dann verunmöglicht ein folgenschweres Ereignis ihren Plan. In Notwehr verletzt sie einen Jungen, der ihr eigentlich nur helfen wollte. „Stein schlägt Papier“ ist ein Roman übers Erwachsenwerden. Die Autorin Christina Erbertz schildert das Leben der jungen Frau intensiv, ehrlich und feinfühlig. Der Buchtipp der Nachwuchsredaktorin Lena Facchinetti.

Lee ist 18 Jahre alt und arbeitet als Assistentin in einer Taekwondo-Schule. Sie steht kurz vor der Aufnahmeprüfung zur Polizei. An einem Tag fühlt sie sich von zwei Jungs verfolgt, gerät in Panik und wehrt sich mit einem Taekwondo-Tritt. Dabei wollte Metkan nur ihr verlorenes Portemonnaie zurückgeben – jetzt liegt er im Koma. Gegen Lee läuft ein Strafverfahren. Wie viel Schuld trägt Lee? Hat sie trotz ihrer Volljährigkeit nicht als Erwachsene gehandelt?

Beeindruckende Hauptfigur
Der Roman wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch hinter dem schlichten Buchcover und dem Titel "Stein schlägt Papier“ verbirgt sich eine intensive und zugleich berührende Geschichte. Besonders beeindruckend ist die Hauptfigur Lee. Ihre Verzweiflung und Schuldgefühle sind sofort spürbar. Sie ist in allen Gesprächen ehrlich. Vor dem Anwalt, Sozialarbeiterin und auch vor Gericht. Sie übernimmt Verantwortung für ihre Tat und versucht nicht irgendetwas zu beschönigen. Als Leser:in möchte man Lee gerne in den Arm nehmen und trösten. Sie trägt eine enorme Last aus Vorwürfen, Verzweiflung und Sorgen mit sich. All diese Gefühle vermag die Autorin mit ihrem klaren Schreibstil zu vermitteln, ebenso Lees Perspektive.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Doch die Situation spiegelt sich auch in Lees Vergangenheit wider: in der Schule hatte sie mit Aggressionsproblemen zu kämpfen. Immer wieder kam es zu Streit und verbalen Zwischenfällen. Doch schnell wird klar, wieso das so ist: Kindheitstraumata begleiten sie seit Jahren. Sie hat eine sehr schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Somit ist klar, woher Lees Wut und ihr Umgang damit kommen. Die Autorin zeigt eindringlich, dass hinter aggressivem Verhalten oft tiefe Verletzungen stehen. Wie zum Beispiel Traurigkeit, fehlende Bindungen zu wichtigen Personen oder andere traumatische Erfahrungen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Autorin gewalttätiges Verhalten nicht entschuldigt. Christina Erbertz macht uns klar: Es geht darum, das Verhalten zu verstehen und zu hinterfragen. Lee hat etwas Falsches getan, aber der Roman zeigt eben auch ihre Vorgeschichte.

Geschickt hat die Autorin dem Roman eine klare Struktur gegeben. So arbeitet sie etwa in den Überschriften der jeweils kurzen Kapitel mit Begriffen aus dem Teakwondo. Das passt thematisch sehr gut und zeigt auch Lees Denkweise, was Techniken und Strategien betrifft.

Erwachsen genug oder nicht?
Der Roman ist alles andere als ein dicker Wälzer, sondern mit 144 Seiten kurz gefasst. Trotzdem wird die Geschichte tiefgründige erzählt und spricht wichtige Themen an. Die Leitfrage, welche im Roman behandelt wird, lautet: Wer entscheidet, wann jemand „reif genug“ ist, um die volle Verantwortung tragen zu können?  Eine Frage, die mich immer noch beschäftigt und alles andere als einfach zu beantwortet ist. Oder was meinst du dazu?  


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Lena Facchinetti

Lena (16) mag Musik, Filme, Biologie und Chemie. Bei Gelegenheit schnappt sie sich ein Buch und steigt in eine andere Welt hinein. Sie leitet die Kinder- und Jugendredaktion.
  • Titel
    Stein schlägt Papier
  • Autor:in
    Christina Erbertz
  • Genre
    Non-Fiction
  • Erscheinungsdatum
    2025
  • Seiten
    144